Die Wettbilanz der WM 2026 bleibt hinter den Prognosen zurück

Seit dem 19. Juli ist Spanien zum Weltmeister gekürt: In East Rutherford besiegte die Mannschaft von Trainer Luis Enrique Argentinien mit 1:0 nach Verlängerung, Ferran Torres traf in der 106. Minute. Es war das bislang größte WM-Turnier: 48 Teams, 104 Spiele insgesamt hatten Wettprofis in aller Welt lange auf diese WM geblickt. Die US-Investmentbank Macquarie hatte schon vor dem Turnierstart weltweite Wetteinsätze von über 50 Milliarden Dollar auf die WM 2026 prognostiziert. Verlässliche Zahlen zu den tatsächlichen Einsätzen gibt es bis heute allerdings nicht. Und aus dem Wettbusiness selbst klingen die Erwartungen gleich einmal etwas verhaltener.
Kap Verde hielt Spanien am 15. Juni in Atlanta bei null
Der Europameister kam beim WM-Debüt der Kapverden nicht über ein 0:0 hinaus. Torhüter Vozinha parierte siebenmal, das Torschussverhältnis lautete 18:3 zugunsten Spaniens. Für die Spanier war es das vierte WM-Spiel in Folge ohne Sieg, ein eigener Negativrekord, den sie damit einstellten. Zehn Tage später verlor Deutschland in East Rutherford mit 1:2 gegen Ecuador. Nilson Angulo traf in der 9. Minute, Gonzalo Plata in der 77.
Beide Partien gelten seither als Beleg dafür, dass die Weltmeisterschaft die Buchmacher überrumpelt habe. Beim Spiel gegen Ecuador fehlt in dieser Darstellung ein Umstand. Deutschland stand vor dem Anpfiff als Gruppensieger fest und wechselte mehrfach. Thomas Forstner, Generalsekretär der Österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel, sagte der APA, es habe Überraschungen ohne Ende gegeben. Forstner vertritt die in Österreich nicht konzessionierten Online-Wettanbieter.
Marge trägt nur bei ausgeglichenem Buch
Was ein solches Ergebnis für einen Anbieter bedeutet, hängt an einer Rechnung, die lange vor dem Anpfiff feststeht. Eine Quote ist zunächst ein Preis. Ihr Kehrwert ergibt die Wahrscheinlichkeit, die der Anbieter dem jeweiligen Ausgang zuschreibt. Zählt man diese Werte für alle möglichen Ergebnisse einer Partie zusammen, liegt die Summe über hundert Prozent. Der Überschuss ist die Marge, und weil professionelle Buchmacher wie Sportaza Sportwetten sie in jede einzelne Quote einrechnen, zahlt jeder abgegebene Tipp sie mit, gleich wie die Partie ausgeht.
Aufgehen kann diese Rechnung nur, wenn sich die Einsätze halbwegs gleichmäßig auf die möglichen Ergebnisse verteilen. Bei einem Turnier tun sie das selten. Das Publikumsgeld sammelt sich auf den bekannten Mannschaften, das Buch gerät aus dem Gleichgewicht, und dann kostet ein Abend wie der in East Rutherford Geld. Wie teuer es wird, entscheidet sich daran, welche Mannschaften die Überraschungen treffen.
Entain beziffert das Turnier auf ungefähr ein Prozent Jahresertrag
Stella David, Vorstandsvorsitzende des Wettkonzerns Entain, wurde im März von Analysten nach dem Wert einer Weltmeisterschaft für ihr Unternehmen gefragt. Das Turnier sei nicht so bedeutend, wie man annehmen könnte, antwortete sie. Über das Jahr gerechnet liege der zusätzliche Ertrag bei ungefähr einem Prozent, größer als bei einer Europameisterschaft, aber weniger dramatisch als vermutet.
Ed Birkin vom Analysehaus H2 Gambling Capital ordnet Großereignisse eher der Kundengewinnung zu als dem Ertrag. Chad Beynon, der bei Macquarie den Glücksspielsektor beobachtet, sagte dem Branchendienst iGaming Business Mitte Juli, entscheidend sei, welche Mannschaften weiterkämen. Das Geschäft brauche die großen Teams in den späteren Runden. Scheitere eines dieser Teams an einem Land mit geringerer Wirtschaftsleistung, tue das weh.
Neal Menashe, Vorstandschef des Anbieters Super Group, hatte die frühen Runden bereits vor dem Turnier als unangenehm bezeichnet, weil zu viele ungleiche Paarungen aufeinandertreffen würden.
Die 50-Milliarden-Prognose und dieser Vorbehalt stammen aus demselben Haus.
Klements Modell traf vier von 16 Paarungen
Der Ökonom Joachim Klement stellte 2014 ein Modell auf, das den Weltmeister aus Wirtschaftsleistung pro Kopf, Einwohnerzahl, Durchschnittstemperatur, Weltranglistenposition und Heimvorteil errechnet. Es traf 2014 Deutschland, 2018 Frankreich und 2022 Argentinien. Für 2026 sah es die Niederlande vorn, also eine Mannschaft, die im engeren Favoritenkreis der Wettanbieter gar nicht vorkam.
In der Nacht auf den 30. Juni fielen binnen zwölf Stunden drei seiner Prognosen. Brasilien schlug Japan. Paraguay warf Deutschland im Elfmeterschießen aus dem Sechzehntelfinale, jener Runde, die es wegen der Aufstockung auf 48 Mannschaften erstmals gab. Kurz darauf verloren die Niederlande in Monterrey gegen Marokko, ebenfalls vom Punkt, nach sieben Fehlschüssen in einem einzigen Elfmeterschießen.
Klements eigene Bilanz fällt genauer aus als die Schlagzeilen darüber. Von den 32 Mannschaften, die er in der K.-o.-Phase erwartet hatte, kamen 26 dorthin. Von den 16 konkreten Paarungen traf er vier. Eine davon war Spanien gegen Österreich. Er habe beweisen wollen, dass ökonomische Modelle ungenauer seien als weithin angenommen, schrieb Klement am 30. Juni, und genau das habe sich bestätigt.
Im Halbfinale standen am Ende Spanien, Frankreich, England und Argentinien, also vier Mannschaften aus dem engeren Favoritenkreis der Wettanbieter. Die Überraschungen dieses Turniers trafen einzelne Partien, nicht den Turnierausgang. Vom Wetten auf Grundlage seiner Rechnung hatte Klement schon vor dem Anpfiff des ersten Spiels abgeraten. Wer dafür Geld einsetze, dem sei nicht zu helfen.
520 Millionen Euro Bruttowettertrag in Österreich
Bei österreichischen Sportwetten stieg der Bruttowettertrag im Jahr 2025 um 2,8 Prozent auf 520 Millionen Euro. Gemeint ist der Betrag, der nach Abzug der ausgeschütteten Gewinne bei den Anbietern verbleibt. Die vorläufige Zahl stammt aus einer Marktstudie des Instituts BRANCHENRADAR. Sportwetten wuchsen damit langsamer als das Online-Glücksspiel, das im selben Jahr um 11,2 Prozent zulegte.



