Städtetrip Düsseldorf: Warum sich die Rheinmetropole für Österreicher lohnt
Knapp 90 Minuten Flugzeit trennen Wien von Düsseldorf, und trotzdem taucht die Stadt am Rhein auf österreichischen Reiselisten deutlich seltener auf als Hamburg oder Berlin. Ein Versäumnis, finden Städtereise-Kenner: Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt packt Kunst, Einkaufsmeilen, ein japanisches Viertel und eine der dichtesten Altstadt-Kneipenszenen Europas auf gerade einmal 15 Gehminuten.
Kurze Wege, direkte Verbindungen
Aus Wien, Salzburg und Graz gibt es Direktflüge, der Flughafen liegt nur zwölf Bahnminuten vom Hauptbahnhof entfernt – kaum eine deutsche Großstadt ist schneller erschlossen. Vor Ort braucht es kein Auto: Die Innenstadt ist kompakt, Rheinuferpromenade, Altstadt und Königsallee liegen in Gehweite zueinander. Für ein verlängertes Wochenende reicht die Anreise am Freitagmittag völlig aus.
Zwischen Kö und längster Theke der Welt
Die Königsallee mit ihrem Stadtgraben ist Deutschlands bekannteste Einkaufsstraße, doch das Kontrastprogramm liegt fünf Minuten weiter: Die Altstadt drängt rund 300 Lokale auf einen halben Quadratkilometer – die “längste Theke der Welt”. Dort fließt Altbier, dunkel und obergärig, serviert vom Köbes, der ungefragt nachschenkt, bis der Bierdeckel auf dem Glas liegt. Wiener Beisl-Erfahrung hilft beim Einstieg, ersetzt ihn aber nicht: Bestellt wird nicht, getrunken wird, was kommt – wer nicht mehr möchte, legt den Deckel aufs Glas. Ein Abend in den Traditionshäusern Uerige, Füchschen oder Schumacher gehört zum Pflichtprogramm jedes ersten Besuchs.
Programm für Gruppen abseits des Sightseeings
Wer zu viert oder zu acht reist – als Freundesrunde, Vereinsausflug oder Firmen-Wochenende – braucht neben Besichtigungen einen Programmpunkt, bei dem die Gruppe selbst ins Spiel kommt, und die Auswahl solcher Formate ist am Rhein zuletzt deutlich gewachsen. Zu den ungewöhnlicheren Ideen zählt die Gameshow von gamer.now, die vor Ort unter Aktivitäten Düsseldorf als Turnier mit 19 Games aus Action, Geschick und Wissen läuft. Solche Wettkampfformate haben gegenüber Stadtführung und Museum einen simplen Vorteil: Sie produzieren eine Rangliste, eine Revanche-Forderung und damit Gesprächsstoff für den restlichen Abend. Zwei Stunden reichen, danach ist die Altstadt ohnehin nur wenige Minuten entfernt.
Kunst auf Weltniveau
Düsseldorf spielt kunsthistorisch in einer Liga, die Auswärtige regelmäßig überrascht: Die Kunstsammlung NRW zeigt in K20 und K21 Klee, Beuys und internationale Gegenwartskunst, die Kunstakademie prägte mit Richter und Gursky ganze Epochen. Der Museumsbesuch lässt sich gut auf den Sonntagvormittag legen, wenn die Altstadt noch schläft und die Züge zurück erst am Abend gehen. Wer weniger Zeit hat, nimmt die Kompaktversion: Der KIT-Kunsttunnel unter der Rheinuferpromenade zeigt Gegenwartskunst in 30 Minuten, der Eintritt kostet wenige Euro.
Klein-Tokio am Rhein
Rund um die Immermannstraße lebt eine der größten japanischen Gemeinden Europas – mit Ramen-Küchen, Izakayas, japanischen Buchläden und Supermärkten. Für viele Besucher ist das Viertel inzwischen ein eigener Reisegrund: authentisch, unprätentiös und preislich moderat. Wer mittags ansteht, wartet bei den bekannten Ramen-Häusern auch mal 30 Minuten. Es lohnt sich, die Randzeiten zu nutzen.
Rheinturm, Medienhafen und der Blick von oben
Den besten Überblick liefert der 240 Meter hohe Rheinturm, dessen Aussichtsetage abends zur Bar wird – der Sonnenuntergang über dem Rhein ist der verlässlichste Programmpunkt der ganzen Stadt. Direkt darunter beginnt der Medienhafen, wo die geschwungenen Gehry-Bauten stehen, die auf jedem zweiten Düsseldorf-Foto auftauchen. Die Kombination aus Turmbesuch, Hafenspaziergang und Abendessen in einem der Hafenrestaurants füllt einen halben Tag und funktioniert in jeder Jahreszeit. Wer früh dran ist, spart: Vormittags ist der Turmeintritt günstiger und die Schlange kurz.
Mit Regen ist zu rechnen
Das Rheinland teilt eine Eigenschaft mit dem Salzkammergut: Es regnet öfter, als die Prospektfotos zeigen. Ein Städtetrip-Plan mit mindestens einem festen Indoor-Baustein pro Tag ist deshalb keine Vorsicht, sondern Vernunft. Museen, Passagen, Brauhäuser und Erlebnisformate unter Dach machen das Wetter zur Nebensache – und die Rheinpromenade lässt sich bei Sonne spontan nachschieben.
Kulinarik jenseits des Bierglases
Neben Altbier-Klassikern wie Schweinshaxe und Röstkartoffeln hat sich Düsseldorf eine bemerkenswert internationale Küche zugelegt, vom Sternerestaurant bis zur Markthalle. Österreicher dürfen sich auf einen vertrauten Reflex freuen: Auch am Rhein wird über die richtige Senfmarke gestritten wie daheim über Kernöl. Der lokale ABB-Senf aus dem Traditionsgeschäft an der Bergerstraße ist das passende Mitbringsel.
Ein Wochenende als Testlauf
Düsseldorf verlangt keine lange Planung und belohnt kurze Entschlossenheit: Freitag Anreise und Altstadt, Samstag Programm mit der Gruppe und Abend an der Theke, Sonntag Kunst und Rückflug. Wer die Stadt einmal so mitgenommen hat, versteht, warum sie bei deutschen Kurzreisenden längst zu den festen Größen zählt – und warum der Abstand zwischen Wien und dem Rhein kleiner ist, als der Blick auf die Landkarte vermuten lässt.


